von Fred Lienhard Fritsche, Arzt & Medizinjournalist
Aktuell empfohlene Mikronährstoff-Kombination für die Augengesundheit
Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren gehören jetzt dazu
Bei älteren, über 65-jährigen Personen reicht die Ernährung oft nicht zur Versorgung mit Mikronährstoffen aus. Nahrungsergänzungsmittel sind deshalb für die Augengesundheit und die Prävention degenerativer Augenerkrankungen nötig. Derzeit untersucht die grosse Interventionsstudie AREDS-2 den Einfluss von Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren auf die Progression der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) im Frühstadium. Dass die Vitamine C und E zusammen mit Beta-Carotin, Zink und Kupfer die AMD-Progression bremsen, wurde bereits in der Vorläuferstudie AREDS-1 nachgewiesen. Aktuell empfehlen Ernährungswissenschafter, dass Supplemente täglich 10 bis 20 mg Lutein und Zeaxanthin, 100 bis 1000 mg Omega-3-Fettsäuren, 20 bis 50 mg Vitamin E und 5 bis 10 mg Zink enthalten sollten. Beta-Carotin-Supplemente werden nicht mehr empfohlen.
Anders als Beta-Carotin werden die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin selektiv in der Macula lutea der Netzhaut in hoher Konzentration eingelagert. Als orange-gelbe Makulapigmente übernehmen sie die Rolle eines Blaulichtfilters und schützen gewissermassen als eingebaute Sonnenbrille den gelben Fleck vor den energiereichen Blauanteilen des Lichts. Indem das Makulapigment das schädliche kurzwellige Blaulicht herausfiltert, verbessert es das Kontrastsehen, das bei älteren Personen und bei Patienten mit AMD beeinträchtigt ist. Gleichzeitig wird die Blendeempfindlichkeit reduziert. Aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften neutralisieren Lutein und Zeaxanthin freie Radikale (reaktive Sauerstoffspezies), die im Auge durch Licht und Nikotin entstehen. So schützen die Makulapigmente vor Schäden an den Zellmembranen der Netzhaut.
Wahrscheinlich sind Lutein und Zeaxanthin für die Prävention degenerativer Augenerkrankungen wertvoll. Die kürzlich abgeschlossene CARMA-Studie belegt einen günstigen Effekt der Lutein-Supplementation bei AMD-Patienten. Die Studie AREDS-2, die im Unterschied zur Vorläuferstudie AREDS-1 Zink in stark reduzierter Dosis einsetzt und bei den meisten Studienteilnehmern die Beta-Carotin-Supplementierung weglässt, wird in etwa vier Jahren Resultate zur erhofften Augenschutzwirkung liefern.
Die Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) ist Hauptbestandteil der Fotorezeptorenmembranen. Durch Beeinflussung der Membranpermeabilität verbessert sie den Stofftransport und die Versorgung der Zellen. Beim Sehvorgang beeinflusst sie die Signalverarbeitung in der Netzhaut. DHA schützt die Fotorezeptoren vor apoptotischem Zelltod, der durch oxidativen Stress ausgelöst wird. Omega-3-Fettsäuren beeinflussen den Verlauf der AMD positiv, indem sie beispielsweise den Entzündungsprozess abschwächen.
Empfohlen wird die tägliche Zufuhr von 100 bis 1000 mg der marinen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA (Eicosapentaensäure). Von der pflanzlichen Alpha-Linolensäure (z. B. aus Leinsamen- und Rapsöl) wird lediglich ein Zehntel im Körper in die physiologisch aktiveren Formen DHA und EPA umgewandelt. Im Verhältnis zur Supplementierung sind die mit der Nahrung zugeführten Mengen von Omega-3-Fettsäuren, Lutein und Zeaxanthin so gering, dass sie nicht ins Gewicht fallen. Es ist deshalb nicht nötig, eine Ernährungsanamnese zu erheben, bevor eine Supplementierung empfohlen wird. Um Überdosierungen zu vermeiden sollte allerdings eruiert werden, ob die Patienten bereits andere Nahrungsergänzungspräparate verwenden. Risiken durch Überdosierungen sind besonders für Beta-Carotin (z. B. erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei Rauchern), Vitamin E und Zink bekannt.
Referenz: Schweigert FJ et al. Mikronährstoffe und ihre Bedeutung für das Auge – Wirkungsweise von Lutein/Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2010. Online publiziert.

